04.10.2021 | Aktuelles

Innovationsbremse Bauteilkrise

Innovationsbremse Bauteilkrise

Um neue Produkte zu erschaffen, benötigt man kompetente und kreative Entwickler. Erfahrene Hardware- und Softwareentwickler sind schwer zu bekommen. Viele Firmen kämpfen heute am Personalmarkt um die passenden Mitarbeiter. Embedded Entwickler sind noch rarer. Das sind entweder Softwareentwickler, die es sich auch zutrauen auf Registerebene Chips zu programmieren. Oder es sind Hardwareentwickler, die sich auch vor der hardwarenahen Software nicht fürchten.

Experten für die Schnittmenge von Hardware und Software, gestandene Embedded Entwickler eben, stehen auf der roten Liste. Und nachdem auch in neuen Produkten die Software nicht ohne Hardware auskommt und umgekehrt, bremst die Personalkrise die Innovationskraft vieler Unternehmen.

 

Als wäre das noch nicht genug bremst jetzt auch noch die Bauteilkrise die Realisierung neuer Produktideen. Mittlerweile liest man auch in den Tageszeitungen, dass potente Automobilhersteller mit großer Einkaufsmacht die Produktionsbänder stilllegen und Mitarbeiter auf Kurzarbeit schicken. Die Gründe für den Bauteilmangel sind mannigfaltig: COVID hat die Märkte und Planbarkeit durcheinandergewirbelt.

 

In Ländern wie Malaysia wurden komplette Produktionslinien von den Behörden stillgelegt. Neue Märkte der Digitalisierung oder Elektromobilität lösen große Bedarfe aus. Es gibt nur mehr wenige Halbleiterhersteller auf der Welt und geopolitische Spannungen zwischen China und den USA befeuern die Krise zusätzlich.

Alles nicht so schlimm für die Entwicklung, könnte man meinen, ist die Krise doch primär ein Einkaufs- und Beschaffungsthema. Bis heutige Entwicklungen in Produktion gehen, hätten Bauteilproduzenten wieder aufgerüstet und sollte die Krise hoffentlich wieder vorbei sein.

Doch leider steht man jetzt vor der Situation, dass man seine Kunden wegen ein paar Chips von heute auf morgen nicht mehr beliefern kann. Das heißt Entwickler müssen rasch für Abhilfe sorgen, bestehende Produkte überarbeiten und neue Bauteile mit besserer Verfügbarkeit eindesignen. Redesign bedeutet nicht nur den Austausch einzelner Chips, sondern auch Anpassungen von Softwaretreibern, umfangreiche Tests, Zulassungsaufwand und Zertifizierungen.

Das nagt am Deckungsbeitrag eines Produkts und an der Motivation der Entwickler, die lieber an neuen Produkten arbeiten würden.

 

Was lernen wir daraus?

In Zukunft werden Entwickler noch mehr Augenmerk auf Redundanzen legen, werden sich unabhängiger von einzelnen Anbietern machen, und viele Unternehmen werden die Entwicklung der Hardware-Software-Basis an Dienstleister auslagern, um die eigenen Ressourcen auf Kundennutzen und USP zu konzentrieren. Darüber hinaus werden längerfristige Forecasts, Lagerhaltung und vorausschauende Beschaffung wieder mehr in den Fokus rücken.

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