14.07.2021 | Fachthema

Da war noch die Mechanik

Da war noch die Mechanik

Entwickeln ist heute ganz einfach: Man nehme fertige Hardwaremodule, die gibt es wie Sand am Meer. Dann programmiert man noch etwas Software und fertig ist das Embedded System. Wenn da nicht die Mechanik wäre.

In vielen Embedded Projekten stelle ich fest, dass sich ein großer Teil der Aufwände in den mechanischen Anforderungen versteckt und erst spät sichtbar wird. Was man anfangs unterschätzt führt schnell zu bösen Überraschungen und massiven Überschreitungen von Kosten und Terminen.

Die Aufgaben klingen einfach, die Umsetzung erfordert viel Abstimmung und ist oft aufwändig: Wie wird die Elektronik befestigt? Welche Kräfte wirken auf die Platine? Wie müssen Taster ausgeführt sein, damit diese sich im Gehäuse mit Tastenkappen auch noch haptisch gut anfühlen?


Wie bekommt man das Licht von den LEDs an die Oberfläche des Geräts und schafft eine gleichmäßige Ausleuchtung? Wie wird der Touch-Screen bündig und lückenlos verbaut und aus welchem Werkstoff soll die Oberfläche sein? Wie dicht müssen wir gegen Staub oder Flüssigkeiten werden und wie bekommen wir dann die Wärme von der Elektronik weg?

Alles Fragen, die starken Einfluss auf die Entwicklung von Embedded Hardware und auch Software haben und von Anfang an berücksichtigt werden müssen. Richtig heiß wird das Thema, wenn Designer mitarbeiten oder modulare Gerätekonzepte realisiert werden sollen.

Ein Beispiel: Nicht selten ist die Forderung des Produktmanagements, dass eine Gerätefamilie mit unterschiedlichen Bedienkonzepten realisiert werden soll. Eine kleine billige Anzeige für das günstige Low-End Gerät, ein großes Touch-Display für die teure Prämiumlinie und noch eine Geräteklasse dazwischen. Elektronik und Software möchte man einheitlich halten, einfach die eine oder andere Bedieneinheit anstecken wäre schön.

Die Komponenten werden anschließend auf Basis Preis/Leistung ausgewählt, kommen von unterschiedlichen Herstellern und sind untereinander mechanisch und elektrisch nicht kompatibel. Jetzt muss man Entscheidungen treffen: Lässt man sich von den Displayherstellern die Anschlüsse elektrisch und mechanisch vereinheitlichen, oder versieht man seine Elektronik mit verschiedenen Steckern? Was heißt das bzgl. Kosten und Variantenvielfalt?



Für alle Kombinationen müssen einfache Montagemöglichkeiten geschaffen werden um die Fertigungskosten in Grenzen zu halten. Wo das Produktmanagement am Anfang dachte, dass man mit modularen Gerätefamilien sparen könnte, kommt möglicherweise zum Schluss die bittere Wahrheit, dass man mit individuellen Entwicklungen kostengünstiger und schneller gewesen wäre.

 

 

Die Ansprechpartner von Ginzinger helfen gerne bei allen Fragen rund um Ihre Geräteentwicklung!

Kontakt

Sie haben Fragen

oder möchten Kontakt aufnehmen?