Aktuelles
Leiterplattenmarkt unter Druck
Der weltweite Ausbau von KI-Infrastrukturen verändert den Elektronikmarkt derzeit grundlegend und lässt Preise und Lieferzeiten weiter steigen.
Steigende Rohstoffpreise, eine wachsende Nachfrage nach speziellen Materialien und geopolitische Entwicklungen führen dazu, dass Leiterplattenmaterialien teurer werden und sich die Lieferzeiten für viele Standardleiterplatten verlängern. Das hat inzwischen direkte Auswirkungen auf Unternehmen, die industrielle Elektronik, Medizintechnik oder Maschinensteuerungen entwickeln und fertigen.
Die Nachfrage nach KI-Hardware verändert den gesamten Markt
Der Bedarf an Hochleistungsservern für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz steigt weltweit rasant. Für deren Herstellung werden enorme Mengen an Kupfer, Glasgewebe und speziellen Leiterplattenmaterialien benötigt. Genau hier liegt das Problem: Viele Hersteller richten ihre Produktionskapazitäten zunehmend auf hochwertige High-Speed-Materialien für KI-Anwendungen aus.
Für Standardleiterplatten stehen dadurch weniger Produktionskapazitäten zur Verfügung. Die Folge sind längere Lieferzeiten und eine eingeschränkte Verfügbarkeit wichtiger Materialien. Lieferanten berichten bereits von Engpässen bei verschiedenen Kupferfolien, Prepregs (Verstärkungsmaterialien) und Standardlaminaten. Gleichzeitig verlängern sich die Lieferzeiten für zahlreiche Standardmaterialien deutlich.
Preise steigen, Lieferzeiten ziehen an
Die Auswirkungen sind inzwischen klar erkennbar. Internationale Marktberichte sprechen von Preissteigerungen bei Leiterplattenmaterialien von bis zu 40 Prozent innerhalb weniger Wochen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Kupferfolien und weitere Basismaterialien kontinuierlich an.
Weitere Preisanpassungen werden bereits für die kommenden Monate erwartet. Parallel dazu verlängern sich die Lieferzeiten vieler Leiterplattenhersteller. Da Produktionskapazitäten zunehmend für KI-Anwendungen reserviert werden und einzelne Materialien nur eingeschränkt verfügbar sind, verschieben sich Liefertermine teilweise um mehrere Wochen.
Auch unsere Lieferanten beobachten diese Entwicklung. Mehrere europäische Leiterplattenhersteller haben bereits weitere Preiserhöhungen angekündigt. Gleichzeitig werden langfristige Preis- oder Mengenvereinbarungen zunehmend schwieriger. Viele Hersteller können Preise und Liefertermine nur noch kurzfristig zusagen, da sie ihre Produktion laufend an die aktuelle Materialverfügbarkeit anpassen müssen.
Zusätzlich belasten geopolitische Entwicklungen die Rohstoffversorgung. Lieferanten berichten unter anderem von einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Epoxidharzen, steigenden Kupferpreisen sowie Exportbeschränkungen bei Glasgewebe. Diese Faktoren verstärken den ohnehin hohen Druck auf die gesamte Lieferkette und sorgen zusätzlich für steigende Kosten sowie längere Lieferzeiten.
Was können Unternehmen jetzt tun?
Auch wenn sich die Marktentwicklung nicht beeinflussen lässt, können Unternehmen ihr Projektrisiko deutlich reduzieren:
1) Projekte frühzeitig starten
Je früher Leiterplatten bestellt oder Entwicklungsfreigaben erfolgen, desto größer ist der Spielraum bei Materialauswahl, Produktionsplanung und Lieferterminen.
2) Materialalternativen zulassen
Nicht jedes Produkt muss zwingend auf einem bestimmten Basismaterial aufgebaut werden. Häufig stehen gleichwertige Alternativen zur Verfügung.
Wer diese bereits während der Entwicklung berücksichtigt, schafft mehr Flexibilität bei der Beschaffung und kann Engpässe besser umgehen.
3) Stückzahlen frühzeitig planen
Wenn absehbar ist, welche Mengen in den kommenden Monaten benötigt werden, können Materialien und Fertigungskapazitäten frühzeitig reserviert werden.
Das erhöht die Plangunssicherheit und reduziert das Risiko kurzfristiger Verzögerungen.
4) Entwicklungspartner früh einbinden
Gerade bei neuen Projekten lohnt sich der Austausch bereits in der Konzeptphase.
So können Materialverfügbarkeit, Leiterplattenaufbau und Beschaffungsstrategie gemeinsam optimiert werden, bevor Lieferengpässe oder Preissteigerungen zum Problem werden.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie eng globale Technologietrends und die industrielle Elektronikfertigung inzwischen miteinander verknüpft sind. Steigende Preise und längere Lieferzeiten werden Unternehmen in den kommenden Monaten verstärkt begleiten.
Wer Beschaffung, Entwicklung und Produktionsplanung frühzeitig aufeinander abstimmt, schafft sich den nötigen Handlungsspielraum und reduziert das Risiko von Preissteigerungen, Lieferverzögerungen und Projektverschiebungen erheblich.