Technik
Gut gekennzeichnet, sauber in Serie
Seriennummer, Barcode oder Data-Matrix-Code: Die richtige Kennzeichnung ist wichtiger Bestandteil der Serienproduktion. Entscheidend ist, Anforderungen frühzeitig und eindeutig zu definieren.
Seriennummer, Barcode, MAC-Adresse oder Data-Matrix-Code: Was auf einer elektronischen Baugruppe oder einem fertigen Gerät steht, wirkt wie ein kleines Detail. In der Serienproduktion aber gehört die richtige Kennzeichnung zum Produkt dazu. Wird sie frühzeitig definiert, lassen sich unnötiger Aufwand, zusätzliche Kosten oder Verzögerungen vermeiden. Jürgen Schönberger, Prozesstechniker bei Ginzinger electronic systems, erklärt, worauf es dabei ankommt.
Was muss aufs Produkt?
Seit 2008 beschäftigt sich Jürgen Schönberger bei Ginzinger mit Produktions- und Prüfprozessen. Nach Stationen als Prüf- und Reparaturtechniker sowie Teamleiter im Prüffeld ist er seit 2019 als Prozesstechniker tätig.
Zu seinen Schwerpunkten zählen Arbeitsvorbereitung, Prozesserstellung und kundenspezifische Etikettierungen. Bei der Entwicklung eines elektronischen Produktes stehen zunächst Funktionen, Hard- und Software, Mechanik oder Zulassungsanforderungen im Mittelpunkt. Die Kennzeichnung von Baugruppe, Gerät oder Verpackung erscheint dagegen oft als kleines Detail. Dabei sind einige Fragen zu klären:
- Welche Informationen werden benötigt?
- Klartext, Barcode oder 2D-Code?
- Kundenseriennummer, MAC-Adresse oder Registrierungsdaten?
- Welche Größe und Position sind möglich?
- Welchen Umgebungsbedingungen muss die Kennzeichnung standhalten?
Stehen die Anforderungen erst kurz vor dem Serienstart fest, kann zusätzlicher Aufwand entstehen. Sonderformate benötigen unter Umständen spezielles Material oder eigene Drucksysteme.
„Was nach einem einfachen Etikett aussieht, kann Auswirkungen auf Material, Drucktechnik, Produktionsablauf und Rückverfolgbarkeit haben."
Lasern oder kleben?
Für elektronische Baugruppen ist bei Ginzinger die Laserbeschriftung direkt auf der Leiterplatte der bevorzugte Standard, sofern sie technisch möglich ist. Sie wird bereits zu Beginn der Bestückung automatisiert aufgebracht. Dadurch kann die Baugruppe seriennummernbezogen durch die weiteren Prozessschritte verfolgt werden. Gleichzeitig werden manuelle Arbeitsschritte und mögliche Fehlerquellen reduziert. Ist eine Laserbeschriftung nicht möglich oder werden zusätzliche Kennzeichnungen benötigt, kommen Etiketten zum Einsatz. Je nach Produkt und Anforderung stehen unterschiedliche Varianten zur Verfügung – von Etiketten über Barcodes bis zu Data-Matrix- und QR-Codes. Entscheidend sind Informationsmenge, verfügbarer Platz und Einsatzzweck.
Von der Seriennummer bis zur MAC-Adresse
Welche Angaben erforderlich sind, hängt von Produkt und Anwendung ab. Bei Baugruppen gehören bei Ginzinger typischerweise die Seriennummer in Klartext und als Data-Matrix-Code sowie das Produktionsdatum zur Kennzeichnung.
Je nach Produkt und Kundenanforderung können beispielsweise hinzukommen:
- Kundenlogo und Kundenseriennummer
- MAC-Adressen
- Zertifizierungs- und Funkkennzeichnungen
- Barcodes und 2D-Codes
- Registrierungs- und Inbetriebnahmedaten
- kundenspezifische Codierungen und Sonderformate
Dabei gilt, dass nicht alles, was auf ein Etikett passt, auch darauf stehen muss. Zusätzliche Informationen benötigen Platz und können Aufwand bei Datenbereitstellung, Druck und Produktion verursachen. Wo möglich, setzt Ginzinger deshalb auf bestehende Formate und Drucksysteme. Das hält die Kennzeichnung einfach, robust und wirtschaftlich in der Serie.
„Manchmal soll eine große Informationsmenge in einem nur wenige Millimeter großen Code untergebracht werden. Dann muss man genau prüfen, welches Format technisch sinnvoll ist. Aber nicht nur der Inhalt zählt: Je nach Anwendung ist eine Kennzeichnung über Jahre hinweg Öl, Schmutz, Salz, Kraftstoff, Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen oder Reinigungsmitteln ausgesetzt. Material und Druckverfahren werden deshalb passend zu den späteren Einsatzbedingungen ausgewählt."
Früh geklärt, sauber in Serie
Um kundenspezifische Anforderungen noch früher und eindeutiger zu erfassen, hat Ginzinger electronic systems die Vorgehensweise rund um die Etikettierung weiter vereinheitlicht. Das Thema wurde im Rahmen von Hoshin Kanri, dem bei Ginzinger eingesetzten Werkzeug zur Strategieumsetzung und kontinuierlichen Verbesserung, als Verbesserungspriorität aufgegriffen.
Unter Federführung von Jürgen Schönberger entwickelte ein bereichsübergreifendes Team einen standardisierten Anforderungskatalog. Er führt strukturiert durch Kennzeichnungsarten, Pflichtangaben und optionale Informationen und unterstützt dabei, die passende Lösung für die Serienproduktion festzulegen.
Für die Ginzinger-Kundschaft bedeutet das vor allem, dass die Etikettierung rechtzeitig mitgedacht wird. Bei EMS-Projekten idealerweise bereits in den Produktanforderungen, bei Entwicklungsprojekten vor dem Übergang in die Serie. Es können dabei neben Baugruppen auch Produkt-, Versand- und Mehrwegpackmittel-Etiketten berücksichtigt werden. Änderungen lassen sich über eine zentrale Etikettendefinition eindeutig verwalten. Das sorgt für aktuelle Datenstände und reduziert den Pflege- und Abstimmungsaufwand über den Produktlebenszyklus. Denn am Ende ist das beste Etikett jenes, über das sich beim Serienstart niemand mehr Gedanken machen muss.