Challenge
Neue Generation. Bewährte Basis. Implantmed Plus II
Wie lässt sich ein seit über 20 Jahren erfolgreiches Medizinprodukt technologisch weiterentwickeln, ohne mit jeder neuen Gerätegeneration wieder bei null anzufangen? Vor dieser Herausforderung stand die W&H Dentalwerk Bürmoos GmbH bei der Entwicklung des Implantmed Plus II.
Gemeinsam mit Ginzinger entstand eine neue, leistungsfähige Embedded-Plattform. Sie führt Bewährtes weiter und schafft gleichzeitig die Basis für Vernetzung, neue Softwarefunktionen und zukünftige Erweiterungen. W&H kann sich dabei auf Funktionen konzentrieren, die den Endanwender:innen einen konkreten Mehrwert bringen. Ginzinger electronic systems kümmert sich um die Embedded-Plattform, und das über die gesamte Lebensdauer.
Basis für die nächste Generation
Das Implantmed gehört seit mehr als 20 Jahren zu den etablierten Implantologie-Lösungen von W&H. Bereits 2016, bei einer früheren Gerätegeneration, setzte W&H auf die Embedded-Linux-Plattform GELin von Ginzinger. Die hauseigene Software-Distribution bildet dabei die technische Basis für zentrale Abläufe und Bedienschnittstellen im Gerät. So sind auch Erweiterungen wie Piezomed-Andockmodule für die Kieferchirurgie nahtlos in die Plattform integriert.
Diese über Jahre verlässliche Basis wurde beim Implantmed Plus II zum entscheidenden Vorteil: Bereits existierende Software und Komponenten konnten weiterverwendet werden. Die neue Gerätegeneration musste nicht von Grund auf neu entwickelt werden. Die W&H- Expert:innen konnten sich so auf neue Features und den Nutzen für Endanwender:innen konzentrieren.
Vom einzelnen Gerät zum digitalen Workflow
Seit dem letzten Facelift des Implantmed im Jahr 2016 haben Vernetzung, digitale Dokumentation und Bildgebung in der Medizintechnik stark an Bedeutung gewonnen.Für W&H steht dabei nicht die einzelne digitale Funktion im Vordergrund. Entscheidend ist ein durchgängiger OP-Workflow, bei dem die Implantatplanung, Geräteeinstellungen, Behandlung und Dokumentation zusammenspielen. Rund zwei Drittel der verkauften Implantmed-Geräte sind mittlerweile vernetzt.
Mit der Smart-Dental-Solutions-Plattform „ioDent“ treibt W&H diese Entwicklung voran. Behandlungsinformationen und Voreinstellungen können digital bereitgestellt und an das Gerät übertragen werden. Damit diese und weitere Funktionen zuverlässig zusammenspielen, musste auch die Embedded-Plattform einen technologischen Schritt nach vorne machen.
Mehr Leistung und Flexibilität für neue Funktionen
Für das Implantmed Plus II entwickelte Ginzinger eine neue Embedded-Plattform auf Basis eines leistungsfähigen Quad-Core-Cortex-A53-Prozessors. Sie schafft Leistungsreserven und Schnittstellen für aktuelle und zukünftige Funktionen, darunter:
- größeres Display und moderne Bedienoberflächen
- aktuelle Qt/QML-Unterstützung
- WLAN und weitere Drahtlosschnittstellen
- Scanfunktionen
- kabellose Fußsteuerung und weitere Wireless-Komponenten
- moderne Security-Mechanismen
- Remote-Software-Updates
- Integration in die W&H-Plattform „ioDent“
- Weiternutzung vorhandener Erweiterungsmodule
So lassen sich beispielsweise Data-Matrix-Codes auf Implantats-Verpackungen und Biomaterialien per Scanfunktion erfassen. Die Informationen können direkt für die Dokumentation übernommen werden. Auch Systeme aus dem W&H-Portfolio, wie „Ostell Beacon“ zur Messung der Implantat-Stabilität, sowie verwendete Hand- und Winkelstücke können eingebunden werden.
Neue Hardware - etablierte Software
Die Ginzinger-Plattform schafft damit die technische Basis, um weitere Geräte und Funktionen in den digitalen Behandlungsworkflow zu integrieren. Ein wesentlicher Vorteil beim Generationswechsel: Die W&H-Anwendungsentwickler:innen konnten auf bestehender Software aufsetzen, diese weiterentwickeln und auf die neue Prozessorplattform übertragen. Auch Erweiterungsmodule der bisherigen Implantmed-Plus-Generation bleiben weiterhin nutzbar.
Dadurch blieb bereits geleistete Entwicklungsarbeit erhalten. Gleichzeitig wurde der Aufwand in der Anwendungsentwicklung deutlich reduziert. Viele Entwicklungsschritte und neue Features konnten parallel umgesetzt werden. Von der Beauftragung bis zur Serie vergingen nur rund 2,5 Jahre. Darin enthalten waren auch die umfangreichen Anforderungen der Medizintechnik sowie die damit verbundenen Zulassungsvorgaben. Seit Ende 2025 wird die neue Embedded-Plattform für das Implantmed Plus II bei Ginzinger in Österreich in Serie produziert.
„Der große Vorteil einer gepflegten Embedded-Plattform zeigt sich über die Lebensdauer und mehrere Generationen: Software und Komponenten können weiterverwendet werden, während der Unterbau, sprich Prozessor, Schnittstellen und Funktionen weiterentwickelt werden. So muss die Kundschaft nicht bei jeder neuen Gerätegeneration wieder von vorne beginnen.“
Spezialwissen, das nicht im eigenen Haus aufgebaut werden muss
W&H setzt bei der Entwicklung bewusst auf spezialisierte Partner. Das eigene Entwicklungsteam konzentriert sich auf die Anwendung und neue Funktionen für Ärztinnen und Ärzte. Ginzinger übernimmt die Verantwortung für die Embedded-Linux-Plattform und deren Weiterentwicklung über die gesamte Lebensdauer.
Das zeigt sich auch bei neuen Anforderungen: Soll beispielsweise ein Scanner, WLAN oder eine neue Schnittstelle integriert werden, kümmert sich Ginzinger um die notwendigen Anpassungen auf Hard- und Softwareebene. Die entsprechenden Funktionen werden für die W&H-Anwendungsentwicklung bereitgestellt. So muss die Kundschaft nicht in Spezialwissen rund um Linux, Kernel, Treiber und Hardwareintegration investieren und kann dennoch auf eine über viele Jahre etablierte und gepflegte Plattform zurückgreifen.
„Wir wollen uns in der Entwicklung darauf konzentrieren, welche Funktionen für unsere Anwender:innen echten Mehrwert schaffen. Bei Themen wie Embedded Linux, Hardwareintegration und der langfristigen Pflege der Plattform können wir uns auf Ginzinger verlassen. Diese Zusammenarbeit hat sich über viele Jahre bewährt und gibt uns eine stabile technische Basis, auf der wir unsere Produkte gezielt weiterentwickeln können."
Mit dem Serienstart beginnt die Langzeitbetreuung
Bei Medizinprodukten ist der Serienstart nicht das Ende der Entwicklungsarbeit. Die Geräte bleiben viele Jahre im Einsatz. Gleichzeitig verändern sich Software, Cybersecurity-Anforderungen und die Bauteilverfügbarkeiten laufend.
Im Rahmen der Wartungsvereinbarung stellt Ginzinger zwei GELin-Releases pro Jahr bereit. Zusätzlich werden relevante CVE-Datenbanken überwacht und potenzielle Schwachstellen bewertet. W&H wird laufend über mögliche Bedrohungen und geeignete Maßnahmen informiert.
Auch das Obsoleszenzmanagement für Hard- und Software gehört zur langfristigen Betreuung. Werden Bauteile, Speicher oder Displays abgekündigt, prüft Ginzinger Alternativen und setzt bei Bedarf Anpassungen oder Redesigns um. Ein Beispiel ist die Displayanbindung: Flexible Schnittstellen und ein universeller Steckverbinder erleichtern bei der neuen Plattform den Wechsel auf alternative Displayvarianten, ohne die gesamte Elektronik neu entwickeln zu müssen.
Eine Plattform, die mit den Anforderungen wächst
Mit dem Implantmed Plus II hat W&H eine leistungsfähigere Plattform erhalten. Bestehende Entwicklungen können darauf weitergeführt und neue Funktionen über viele Jahre ergänzt werden. Remote-Software-Updates schaffen zusätzlich die Voraussetzung, Funktionen auch nach dem Gerätekauf bereitzustellen. So lässt sich das Produkt jederzeit softwareseitig weiterentwickeln.
W&H kann damit neue Gerätegenerationen und digitale Funktionen entwickeln, ohne technologisch jedes Mal von vorne zu beginnen. Ginzinger electronic systems begleitet die Plattform von der kundenspezifischen Hard- und Softwareentwicklung über die Serienfertigung in Österreich bis zur langfristigen Plattformpflege.
W&H Dentalwerk Bürmoos GmbH
Die internationale W&H-Gruppe mit Headquarter in Bürmoos (Österreich) ist weltweit führend in der Entwicklung und Herstellung von Medizintechnikprodukten. Leidenschaft und Innovation sind der Motor des Unternehmens. Hochwertige Produkt- und Servicelösungen, eine moderne Unternehmensstruktur und ein starker Fokus auf Forschung & Entwicklung machen W&H zu einem lokal und global erfolgreichen Unternehmen. Mehr als 1.200 Mitarbeiter:innen sorgen für die Bereitstellung von Hard- und Softwareprodukten, die in der Dental-, Medizin- und Veterinärbranche zum Einsatz kommen.