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Fertig ist nicht fertig!

Für Entwickler:innen ist es heute oft möglich, eine Produktidee in kurzer Zeit in einen funktionierenden Prototypen zu verwandeln. Doch ein solcher Prototyp ist nur begrenzt für die Serienproduktion geeignet.

Das Pareto-Prinzip

Kennen Sie Pareto und sein Prinzip? Der Spross einer Genueser Kaufmannsfamilie erkannte schon im 19. Jahrhundert, dass man 80% Ergebnis mit 20% Aufwand erreicht.
Leider hat man für die restlichen 20% zum 100%igen Ergebnis noch 80% Aufwand vor sich. Dabei kannte Pareto die komplexen Embedded Projekte von heute noch gar nicht. Auch hier hat Pareto weiterhin Gültigkeit.

Als findige(r) Entwickler:in und „Maker“ kann man heute eine Produktidee sehr schnell in einen Prototypen umsetzen. Schnell klickt man die notwendigen Bausteine im Internet zusammen und drückt auf "bestellen".
Wenn die Hardware im Haus ist, sucht man gleich auf github bei den Arduinos, Raspberries oder anderen Plattformen nach passenden Softwarekomponenten. Rasch noch etwas  „glue-code“ drumherum programmiert und das Produkt ist so gut wie fertig.

Bei der Präsentation vor dem Management kann man so jetzt gleich ordentlich Eindruck schinden: Umsetzung in Rekordzeit! Produkt fast fertig! Alle sind davon überzeugt, dass das Produkt so rasch wie möglich in Serie am Markt angeboten werden soll. Und weil das jetzt so schnell gegangen ist, werden die nächsten Schritte ja wohl auch nicht mehr so kompliziert sein.

Prototyp nur bedingt seriengeeignet

Da schlägt der Herr Pareto jetzt gnadenlos zu und bringt alle Projektbeteiligten zur Verzweiflung. Die Komponenten des Prototypen lassen sich in der Serie nicht wirtschaftlich weiterverwenden. Die eingesetzten Softwarekomponenten erweisen sich als instabil, Ausfälle im Feld drohen.

Und für die reibungsfrei reproduzierbare Produktion und Montage muss das Produktdesign erst bis ins letzte Detail optimiert werden. Jetzt beginnen die Mühen der Ebene so richtig und die Lust als Entwickler:in schwindet. Man möchte doch lieber wieder kreativ sein und Neues schaffen!

Rapid Prototyping und die neuen Möglichkeiten aus der Maker- und Open Source Community bieten heute einen prall gefüllten Werkzeugkasten um neue Ideen rasch umzusetzen. Bei der Präsentation der Ergebnisse sollte man aber bei aller Euphorie am Boden bleiben und allen Beteiligten eindringlich vermitteln, dass man über Prototypen, Unikate oder einen Proof-of-Concept redet.

Für ein fertiges Serienprodukt hat man nach Pareto noch mindestens vier Fünftel des Weges vor sich.

Schnelles Prototyping?