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05.06.2018 | Aktuelles

Allokation 4.0

Verwendete Tags:
Elektronik
Elektronikproduktion
EMS
Bauteilknappheit

Allokation 4.0

Bauteilverknappung führt zu bisher nicht bekannten Lieferengpässen und Preiserhöhungen

Laut Auskunft verschiedener Hersteller und Distributoren wird sich die Verfügbarkeit und die Preissituation speziell bei MLCCs (Multi Layer Ceramic Capacitor) und Chip-Widerständen noch weiter verschlechtern. Wir haben bei unserem Einkaufsleiter Ing. Matthäus Lang nachgehakt, welche Gründe und Auswirkungen diese anhaltenden Lieferengpässe haben:

 


Matthäus, seit rund eineinhalb Jahren verschärft sich die Liefersituation von elektronischen Komponenten drastisch. Was sind die Hintergründe für diese Entwicklung?

Matthäus:

Glaubt man den Experten gibt es keine einzelne Ursache, sondern vielmehr handelt es sich um das zeitlich unglückliche Zusammentreffen verschiedener Ereignisse. Der Markt hat sich seit dem 4. Quartal 2016 schleichend von einem Einkäufer- zu einem Verkäufermarkt entwickelt. Vorher gab es stetig sinkende Preise und totale Verfügbarkeit. Dies hat sich nunmehr dramatisch geändert und diese Änderung hatte niemand in dem Ausmaße erwartet.

Die Ursache dafür liegt allerdings nicht in Europa. Die Treiber und großen Bedarfsvolumen etwa im Bereich E-Mobility, Consumer-Elektronik und Smartphones stammen aus dem asiatischen Bereich. Viele damit verbundene Informationen wurden erst mit einer gewissen Verzögerung in Europa kommuniziert.

Parallel dazu haben sich namhafte Hersteller aus Wirtschaftlichkeitsgründen entschieden, Werke stillzulegen. Fast gleichzeitig begann außerdem der weltweit größte MLCC-Hersteller, Murata, seine Fertigungsanlagen auf die Produktion kleinerer MLCCs umzurüsten und somit die Kapazitäten für den Consumer- und Mobile-Bereich zu erhöhen (Baugröße 0201 und kleiner).
Die geplanten und zum Teil bereits in Bau befindlichen Werke decken aber nach wie vor nur einen Teil des Bedarfes ab, was zu einer stetigen Verschärfung hin zu einem bisher unbekannten Ausmaß führt.

Ing. Matthäus Lang

Ing. Matthäus Lang

 

Was sind die Auswirkungen?

Matthäus:

Neben der Fertigungskapazität werden mittlerweile auch Rohstoffe wie Al-Keramik-Substrate knapp bzw. steigen beispielsweise die Rohstoffpreise für Palladium, Silizium oder Aluminium. Ebenso melden die Hersteller für die anlaufenden Werke bereits Personalknappheit.

Mittlerweile sind fast alle MLCC-Standardteile und speziell die größeren Bauformen auf Allokation.
Das bedeutet in der Praxis, dass man im Idealfall noch Teile zugewiesen bekommt, welche auch schon in der Vergangenheit bestellt wurden. Für neue Teile werden teilweise utopische Lieferzeiten von 70 Wochen (!!) und mehr ausgerufen - ohne verbindliche Auftragsbestätigungen wohl gemerkt. Sowohl Lieferzeit als auch Preis werden ausdrücklich als "unverbindlich" angegeben.

Darüber hinaus etablieren sich grenzwertige Geschäftspraktiken. So wurden zum Beispiel Bestellungen mit Vorlaufzeiten von über 30 Wochen, die bereits im Vorjahr getätigt wurden, vier Wochen vor Liefertermin storniert.

Brokermärkte werden überrannt und leergefegt. Sofern Ware bei einem Broker zu bekommen ist, hat man es mit astronomischen Aufschlägen zu tun.

 

Sind neben den MLCCs und Keramikwiderständen auch andere Bauteile betroffen?

Matthäus:

Ja - leider breitet sich die Knappheit momentan wie ein Krebsgeschwür aus. Mittlerweile sind auch Speicherbausteine, Leistungstransistoren wie MOSFETs oder Relais vor allem von Panasonic und TE Connectivity (Sicherheitsrelais) kritisch zu betrachten. Zum Teil gibt es in diesen Bereichen aber noch alternative Hersteller mit überschaubaren Lieferzeiten. Wobei auch hier der Trend zu 30 Wochen und mehr geht.

 

Was macht Ginzinger, um die Materialverfügbarkeit dennoch gewährleisten zu können?

Matthäus:

Zum einen appellieren wir an unsere Kunden um möglichst frühzeitig Bestellungen oder zumindest definitive Materialfreigaben zu erhalten. Anschließend prüfen wir die Versorgung und können hier schon frühzeitig auf Engpässe bzw. erforderliche Alternativen hinweisen. In Abhängigkeit von Kundenvereinbarungen und der Mindestlagerzeit der Bauteile besteht außerdem die Möglichkeit, dass wir uns die kritischen Bauteile physisch auf Lager legen.

Bei neuen Designs oder Überarbeitungen sollte man, sofern möglich speziell bei MLCCs bereits auf kleinere Bauformen umsteigen und bei anderen kritischen Teilen alternative, verfügbare Hersteller einplanen.

Zum anderen stehen wir permanent mit unseren Lieferanten in Kontakt und haben unser weltweites Sourcing intensiviert.

 

Vielen Dank!

 

 

Bei Fragen stehen Ihnen ihre bekannten Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung.